11.04.2017

Bruchrechnen mit Rhythmus

240 Jugendliche machen sich fit für den Sprung in die nächste Klasse

Was hat Mathe mit Musik zu tun? Oder mit Backen? Und Videoschnitt mit Deutsch? Das finden derzeit 240 Jugendliche der 8. Klasse aus Hessen heraus. Im o.camp des Hessischen Kultusministeriums (HKM) und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) schreiben sie eigene Songs, entwickeln Filmstories oder ein Quiz auf Englisch, backen und kochen, kreieren Cocktails und bauen Cajons. An vier Campstandorten lernen die Schülerinnen und Schüler in eigenen Projekten so ganz praktisch Deutsch, Englisch und Mathe und merken: Ich brauche dieses Wissen ja auch in meinem Alltag. In Lernwerkstätten vertiefen sie den Lernstoff und eignen sich Lernmethoden an, um sich für ihre Versetzung einzusetzen. „Ich möchte mich in Mathe verbessern und bin im Back-Projekt, da rechnen wir Mengenangaben um. Wir lernen aber nicht nur Mathe, sondern auch, wie wir zum Beispiel respektvoll miteinander umgehen“, berichtet die 14-jährige A. aus Rodgau. „Wir machen coole Sachen hier, und am besten gefällt mir, dass wir Musik mit eigenen Texten machen können“, erzählt C., 14, aus Offenbach, der vor zwei Jahren aus Bulgarien nach Deutschland kam.

Im o.camp in Wolfshausen sind die Herkunftssprachen neben Deutsch auch Usbekisch, Dari, Farsi, Kurdisch, Arabisch, Bulgarisch und Türkisch. 16 der 60 Campteilnehmenden sind erst seit einem oder zwei Jahren in Deutschland. „Die Jugendlichen sind in diesem Jahr mit viel Motivation und Power und großer Vorfreude angereist“, erklärt Campleiter Kolja Z. Gerade die Jugendlichen mit Fluchthintergrund seien sehr offen, gingen auf die anderen zu, so sei die Atmosphäre im Camp sehr positiv. Im Camp lernen die Jugendlichen, ihre eigenen Stärken zu entdecken und diese zu nutzen.

Wie viel Spaß den Jugendlichen das Entwickeln eigener Formate macht, davon überzeugte sich heute in Wolfshausen Staatssekretär Dr. Manuel Lösel. Gemeinsam mit den Jugendlichen der Projektgruppe ‚Daz geht ab’ rappte er einen von der Gruppe selbst komponierten Song. „Das o.camp ist eine wertvolle Ergänzung zum normalen Unterricht“, erläuterte er. Ursula Wachter-Bieri vom Staatlichen Schulamt Offenbach ergänzte: „Ich bin begeistert, mit welcher Freude die Jugendlichen hier mitarbeiten und in wie viele lachende Gesichter ich heute geschaut habe. Das o.camp ist eine große Chance, mal aus der normalen Umgebung herauszukommen, etwas anderes kennen zu lernen und sich so weiterzuentwickeln.“ Am kommenden Donnerstag werden die Jugendlichen ihre Projektergebnisse auf der Bühne den anreisenden Lehrkräften sowie Vertretern des HKM und der DKJS präsentieren.

Seit 2007 haben mit dem o.camp des HKM und der DKJS jedes Jahr durchschnittlich 83 Prozent der jungen Menschen der 8. Klasse den Sprung in die nächste Klasse geschafft. In den Camps betreut ein multiprofessionelles Team aus Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Lehramtsstudierenden und Jugendleitungen die Schülerinnen und Schüler. Zusammen mit den Schulbezogenen Ostercamps wurden 19.000 Schülerinnen und Schüler erfolgreich auf ihre Versetzung vorbereitet. „Wir freuen uns auf Schulen, die diesem Beispiel folgen und an ihrer Schule ein Camp-Angebot etablieren“, erklärte Dr. Lösel abschließend. Nach den Camps werden die Jugendlichen noch bis zu den Sommerferien an ihrer jeweiligen Herkunftsschule von den pädagogischen Fachkräften aus den Camps gemeinsam mit ihren Lehrkräften begleitet und unterstützt.

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